KEM 2024: Michael Saxinger gewinnt das Hauptturnier

von Michael Saxinger und Dieter Capek

 

Aus TUS FFB Sicht ist Michi klar der Held der diesjährigen KEM: er hat das Hauptturnier gewonnen. Ich habe ihn gebeten, seine Partien zu schildern. Hier das Gesamtergebnis und Michis Turnierbericht.

 

 

Für das Turnier setzte ich mir persönlich ein recht hohes Ziel, es sollte einer der oberen drei Plätze werden. Auch die Tatsache, dass einige Spieler im Turnier noch keine offizielle Wertung hatten, bestärkte mich in meinem nicht ganz bescheidenen Ziel. Dies sollte sich aber noch als Trugschluss erweisen, da es unteranderem einige dieser Spieler seien sollten, die mir einiges abverlangen würden.

 

1. Runde

Mein erster Widersacher war bereits einer der Spieler ohne Wertung. Aus der Eröffnung kam ich ein bisschen holprig heraus, was mein Gegner dazu nutzte einen starken Königsangriff heraufzubeschwören. Nach über vier Stunden nervenaufreibenden Abwehrkampf war der Spuk vorbei. Der Angriff war abgewehrt! Einen versprengten Läufer, der sich zuvor als Opfer, welches nicht angenommen werden durfte, in meine Stellung geworfen hatte, konnte ich einsperren und letztendlich gewinnen. Seine letzte Figur, ein einsamer Turm, der noch verzweifelt nach Gegenspiel suchte, musste angegriffen bald einsehen, dass obwohl er noch zehn legale Züge hatte, ihm kein Feld Sicherheit bot.

 

2. Runde

Aus der Eröffnung und dem Mittelspiel kam ich recht solide heraus. Ich entschied mich dazu eine Qualität zu opfern, was sich allerdings als großer Fehler herausstellte. Mein Gegner spielte die Partie stark weiter und ließ mich mit diesem Fehler nicht davonkommen. Am Ende blieb mir nur noch aufzugeben.

 

Mit nur einem Punkt ging für mich der erste Tag somit recht ernüchternd aus. Mir war bewusst, dass wenn ich weiter an meinem zu anfangs gesetztem Ziel festhalten wollte, ich mich die nächsten Tage noch mehr anstrengen müsste.

 

3. Runde

Ich spielte mit Schwarz die Aljechin-Verteidigung. Im achten Zug passierte dann das Unerwartete, mein Kontrahent übersieht, dass ich ihn mit dem Springer einzügig auf d3 Matt setzten kann. Dieser schnelle Sieg bescherte mir nicht nur einen Punkt, sondern auch die Möglichkeit mich vor der nächsten Runde zuhause nochmal auszuruhen.

 

4. Runde

Mir gelang es im frühen Mittelspiel einen Bauern zu gewinnen und konnte die Stellung letztendlich in ein gewonnenes Bauernendspiel mit Mehrbauern umwandeln.

 

Der zweite Tag war mit zwei Punkten ein voller Erfolg. Wer weiß, ob nicht auch der Sieg in der vierten Runde, der Tatsache geschuldet war, dass ich frisch und komplett ausgehruht zur Nachmittagspartie antreten konnte.

 

5. Runde

Mein Kontrahent auch wieder ein Spieler ohne Wertungszahl, der mir aber noch beweisen sollte, dass er vom Schach so einiges versteht. Im Mittelspiel habe ich mir einige Fehler erlaubt, mein Gegner hingegen nicht. Er fand all die richtigen Züge und zwang mich in ein Turm-gegen-Springer-Endspiel ohne Kompensation. Hier gelang es mir allerdings dennoch Gegenspiel zu finden und schließlich seinen Randbauern zu erobern und meinen eigenen Randbauern vorzuschieben. Nun drohte ich diesen Bauern in eine Dame umzuwandeln, oder zusammen mit König und Springer den in die Ecke getriebenen gegnerischen König matt zu setzten. Mir war aber bewusst, dass ich objektiv höchstens ein Remis habe, falls mein Gegner korrekt weiterspielt. Nun kam für mich die Entscheidung, ob ich dieses Remis anbieten, oder meinen Gegner noch abfragen sollte, ob er auch sieht, wie er das drohende Matt zu stoppen hat. Während dem Spiel war ich mir aber auch nicht sicher, ob nicht vielleicht sogar er, objektiv gesehen, auf Gewinn steht. Ich wollte dies aber nicht zu lange prüfen, um auch ihm nicht mehr Zeit zu geben über die Stellung nachzudenken. Also stellte ich die Drohung in wenigen Zügen matt zu setzen auf und bat Remis an. Nach wenigen Minuten Überlegungszeit nahm mein Kontrahent das Remisangebot an. Nach dem Spiel verriet er mir, dass er sich nicht traute auf Gewinn zu spielen, da er Angst hatte, das Spiel hierdurch noch zu verlieren. Ich bin mir aber sicher, hätte ich weitergespielt und ihm die Mattdrohung noch konkreter gemacht, hätte auch er die Verteidigung, die ich bereits entdeckt hatte, gefunden. Und wie die Engine später offenbaren sollte, stand mein Gegner komplett auf Gewinn. Da kam ich nochmal mit einem blauen Auge davon.

 

6. Runde

Dieses Spiel verlief wieder mehr nach meinem Geschmack. Mein Gegner hatte sich recht früh eine Bauernschwäche zugefügt, worauf ich den Großteil der restlichen Partie gespielt habe. Letztendlich gelang es mir hierdurch eine Bauernmehrheit zu gewinnen, was meinen Kontrahenten dazu brachte drastische Mittel zu ziehen. Er wagte sich mit seinem König tief in mein Lager, um meine Bauernkette an der Basis anzugreifen. Auf der dritten Reihe wurde er allerdings von meinen Truppen gestoppt. Nun folgten die gegnerischen Bauern ihrem Monarchen in die Schlacht und pressten nach vorne, was aber einen Rückzug für ihn selbst unmöglich machte. Ein Räumungszug mit meinem Turm offenbarte, dass mein Läufer bereitstand, im nächsten Zug matt zu setzen, was auch nicht mehr verhindert werden konnte.

 

Mit 4,5 Punkten Stand ich nach dem dritten Tag auf dem dritten Platz. Meine letzte Partie würde ich gegen den mit derzeit 5 Punkten erstplatzierten Moritz Linzmeier vom SC Peiting bestreiten müssen. Ich hatte allerdings ein großes Problem. Meine Tiebreaks waren im Vergleich zu den meisten anderen hochplatzierten Spielern sehr schlecht, was bedeutete, selbst wenn ich ein Remi erzielte, ich vermutlich nicht mehr auf dem dritten Platz landen würde. Somit war ich in der letzten Runde All-in.

 

7. Runde

Die Partie verlief sehr schnell in ein Damenloses Mittelspiel. Vermutlich auch von meinem Gegner so gewollt, da er mir auch recht bald ein Remis anbot, was ich natürlich nicht annehmen konnte. Er hatte einen isolierten Bauern, auf den ich auch mein Spiel konzentrierte. Schließlich gelang es mir diesen zu gewinnen und im Folgenden die Gegnerischen Figuren auf die Grundreihe zu drängen. Mit dem Gegnerischen König bewegungsunfähig in der Ecke war das Spiel nun in meiner Kontrolle. Nach dem 57. Zug und einem Zug vor Matt gab sich mein Kontrahent geschlagen.

 

Mit dem letzten Sieg kam ich auf 5,5 Punkte, so aber auch Klaus Nieland vom SC Starnberg, gegen den ich leider nicht das Vergnügen hatte im Turnier zu spielen. Der erste Platz musste somit durch die Tiebreaks entschieden werden. Ich hatte Glück, denn ich bekam eine um einen Punkt höhere Buchholz-Wertung, was mich zum Sieger des Hauptturniers der KEM 2024 machte.

 

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