Bericht vom Abteilungsausflug in die Pfalz

von Michael Wilhelm, Edgar Kerseböhmer (Fotos), Hajo Hecht, Dieter Capek, Helmut Becker (Gedicht),

Jana und Tommy (pfälzische Küche und mittelalterliche Scheidung)

 

Am Freitag 20.7. trafen sich die 16 Reiseteilnehmer am Bahnhof in Fürstenfeldbruck. Guter Dinge machten sie sich im modernen Reisebus auf die Fahrt nach Dahn in Rheinland-Pfalz und ins benachbarte Elsaß. Die freundschaftliche Verbundenheit zu den Schachfreunden Dahn besteht seit ca. 35 Jahren. Es fanden bereits mehrfach gegenseitige Besuche statt, an die man sich heute noch gerne erinnert. 

 

 

 

Natürlich musste die Reisegruppe durch eine Ansprache des Vorsitzenden Wilhelm auf die bevorstehenden Tage eingestimmt werden. Hier die eindrucksvolle Rede in Auszügen.

 

Guten Morgen zusammen,

Wenn ihr erwartet , dass ein Reiseleiter eine Reise leitet, dann glaubt ihr sicher auch, dass ein Zitronenfalter  Zitronen faltet. Also Schluss mit diesen Ammenmärchen.

Wer hier den Himmel auf Erden erwartet, hat schlichtweg in Erdkunde nicht aufgepasst.

 

*** zensierter politischer Inhalt ***

 

Über die ordnungsgemäße Abwicklung der geschäftlichen Vereinbarung wacht unser Edgar, getreu seinem Wahlspruch: Geduld ist was für Anfänger, ich brülle lieber gleich. Falls Sie nun unverschämter weise  einwenden wollen, das dies im Vorfeld anders vereinbart war, bedenken Sie bitte folgendes. Sehen Sie es positiv, es ist ja der letzte Freitag in dieser Woche. Und es  ist doch viel schöner mit Freunden zu verreisen, als zuhause zu versauern. Wohl wahr.

 

*** zensierter ordinärer Witz ***

 

Lassen Sie sich dadurch keinesfalls irritieren und konzentrieren Sie sich auf die tolle Landschaft. Diese gehört zu unseren kostenlosen Serviceleistungen.

 

Noch einige Reiseempfehlungen

  • In wenigen Stunden erreichen wir die Burg Berwartstein. Wenn einer von Euch die Absicht hat, gegen einen Dahner Schachfreund zu verlieren, sollte er sich die Folterkammer dort einmal näher ansehen.
  • Wenn wir morgen im Elsass sind gilt: bei der Nahrungsaufnahme nicht einfach nur essen. Nein - geben Sie den Kalorien eine Heimat.

 

Fühlt Euch einfach wie zuhause, aber bitte benehmt Euch nicht so. Vertraut Eurer Reiseleitung, Ihr wisst doch: Je größer der Dachschaden, desto besser ist auch der Weitblick. Nun krieg ich Kopfweh und muss schließen, mein Heiligenschein drückt schon wieder.

Na denn ... auf einen schönen Ausflug.

 

Um die Mittagszeit erreichten wir die Burg Berwartstein in der Nähe von Dahn.

 

Beeindruckend waren der 104 Meter tiefe Brunnen und der Aufstiegskamin, durch den die Männer früher die Burg erreichten. Frauen wurden an dieser Stelle im Korb hochgezogen – eine gute Möglichkeit für die ohnehin nicht zimperlichen Ritter, sich ihrer Angetrauten bei Nichtgefallen durch eine "Pfälzer Scheidung" zu entledigen (in großer Höhe entglitt dem Ritter das Seil).

 

Nach der Burgführung stärkten wir uns im Biergarten der Burg. Hans Trapp wird uns immer als Muster eines ideenreichen Raubritters und die "pfälzische Scheidung" als mittelalterliche Lösung immerwährender Themen in Erinnerung bleiben. 

 

 

 

Gegen Abend erreichten wir unser Ausflugsdomizil, das Berg Landhaus der Familie Graber. Dieses Haus wird zum Verkauf angeboten, was aber nichts mit unserem Besuch zu tun hat. Informieren Sie sich hier genauer.

 

 

Der Abend klang mit einem Umtrunk und einer wilden Feier aus.

 

Am Samstag Morgen fuhren wir nach dem Frühstück  ins benachbarte Elsaß nach Straßburg. Ein Höhepunkt des Frühstücks war die ausgezeichnete Brombeermarmelade des Hausherrn.

 

In Straßburg besichtigten wir das wundervolle Gerberviertel und genossen eine Stadtführung auf der Ill. Zum Glück hatte Michi Karten für ein überdachtes Boot gekauft, so dass wir im Regen trocken blieben. Der Kanal führt über mehrere Schleusen, den grandiosen Vauban Damm, weiter zum europäischen Parlament. Die Fahrt dauerte ca.80 min.

 

 

Nach der Rückfahrt trafen wir uns mit den Dahner Schachfreunden in einer urigen  Pfälzerwaldhütte. Wir haben ein  Blitzschachturnier veranstaltet. Es waren 14 Partien zu absolvieren! Gemeinsam mit unseren Schachfreunden aus Dahn ließen wir den Abend ausklingen und begaben uns anschließend in unser Feriendomizil.

 

 

Am Sonntag fuhren nach dem Frühstück zu unseren Dahner Schachfreunden. Wieder mitten im Wald, doch gegen jedes Wetter gerüstet, gab es einen Vergleichskampf gegen die Dahner Auswahl (Bedenkzeit von 90 Minuten pro Partie). Die Dahner gewannen den Wettkampf mit 7:5 Punkten. Hajo musste zwei Partien gleichzeitig spielen, denn schließlich ist er ja GM und Josef wollte in der Sonne sitzen. Hier Hajos Spielbericht

 

Handicap oder Tücke des Objekts

 

Weil Josef nach den 14 anstrengenden Blitzrunden vom Vorabend etwas schachmüde war und einer erfrischenden Wanderung den Vorzug gab, kam ich mit Einverständnis der Dahner Spitzenbretter Guttenbacher (Brett 1) und Link (Brett 2), gegen den Josef spielen sollte, in den Genuß einer sogenannten Handicapvorstellung an eben diesen Brettern. Die Bedenkzeit von 90 Minuten hatte ich also auf zwei Gegner sorgsam aufzuteilen. 

 

Eigentlich hätte ich gewarnt sein sollen, denn Vertretungen dieser Art haben ihre Tücken. Ich erinnere mich noch sehr gut an das Jahr 1964, in dem ich in Berlin meine Ausbildung bei der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) begann. Man hatte damals noch Kenntnisse in Stenografie nachzuweisen, die zwei meiner Kollegen nicht hatten. Ich vertrat sie bei einer Prüfung an zwei verschiedenen Volkshochschulen und brachte für beide die Note "sehr gut" mit. Bei meiner eigenen Prüfung gelang mir das freilich nicht. Schicksal oder eben Tücke des Objekts!

 

In Dahn sollte es mir nicht anders gehen. In der "Vertreterpartie" kam ich nach spannendem Verlauf zu einem Sieg, während ich an "meinem" Brett überzog und klar verlor. Während ich in Sachen Steno zwei Dortmunder Meisterpils erhielt, spendierte mir Josef auf der Heimfahrt einen labenden Cappuccino.

Ach, ja - vermutlich wird mir der Gang in die Folterkammer von Burg Berwartstein erspart bleiben, denn 1-1 ergibt noch immer Remis. Oder?! 

 

Hajo Hecht

 

Beim gemeinsamen Mittagessen wurden Grundkenntnisse in Pfälzer Speisekarte vermittelt: kleine Kombi (Brotwurst mit Leberknödel und Sauerkraut; eine weiter Bezeichnung für das Gericht ist "schiefer Sack"), große Kombi (Saumagenwurst mit Sauerkraut).

 

Es war ein wunderschöner Sommersonntag im Pfälzer Wald. Gut genährt und verzückt von der Pfalz machten wir uns auf den Heimweg.

 

Als das Ende näher kam, wurde uns fast etwas wehmütig ums Herz. Hier kam uns Helmut mit einem Gedicht zur Hilfe und spendete Trost. Helmut hat in Fachkreisen auch den Spitznamen "Helmut von der Brucker Vogelweide". Das Gedicht ist nur handschriftlich erhalten.

 

 

Download
Helmuts Gedicht
Helmuts Gedicht beschreibt in mittelhochdeutscher Sprache unseren Ausflug. Es handelt sich um eine gelungene lyrische Darstellung.
Becker Helmut Gedicht Schachausflug.pdf
Adobe Acrobat Dokument 308.4 KB

 

Der Ausflug war einfach klasse und wir bedanken uns bei unserm großen Vorsitzenden Michi für Idee und Organisation! 

Kommentar schreiben

Kommentare: 3
  • #1

    Jana und Tommy (Mittwoch, 25 Juli 2018 15:04)

    Vielen Dank für den tollen Bericht an Dieter....und vielen Dank an Michi für die tolle Organisation!
    Es war ein sehr schönes Wochenende und wir hatten viel Spaß!

  • #2

    Michi (Mittwoch, 25 Juli 2018 16:03)

    Danke an alle für Ihre Teilnahme, es war ein schönes verlängertes WE mit Euch.

    Mein besonderer Dank an Edgar für die eindrucksvollen Bilder, an Helmut für sein tolles Gedicht, welches den Ausflug vortrefflich und ironisch beschrieb und nicht zuletzt an Dieter für seine tolle Arbeit an der Homepage.

    @Dieter : Den zensierten Witz finde ich eigenlich nicht ordinär...….Hab doch nur gesagt : Es heißt aber auch, wer der Herde folgt sieht nur Är…........grins...….
    Der Inhalt der politischen Zensur bleibt aber wirklich besser unter uns...….lach.
    Liebe Grüße und bis denne……..Michi


  • #3

    Edgar (Freitag, 27 Juli 2018 16:01)

    Ich plädiere für einen Freispruch des Spitzenbrettes da sein Artikel gut glossiert ist. Die Folterkammer sollte für unseren Kulturbanausen exklusiv frei gehalten werden.
    Die kostenlose "Serviceleistung" liegt bereits beim Schiedsgericht, denn man könnte doch wirklich bei
    schönem Wetter planen...Stümperhaft!
    Des Weiteren glaube ich, dass der Ernst früher im Sägewerk als Gatterführer tätig war und des Nächtens einen Rückfall erlitten hat. Zwei Stehr Buche und drei Eichen wurden professionell zerkleinert!!!
    Unser "Jäckie" war abends sehr bemüht alle von seiner Spirituosenwahl zu überzeugen. Diese Aufgabe erfüllte er mit solcher Vehements, dass er am nächsten Tag noch schwächelte. Ein Notarztbesuch gleich in der Früh duch den Dahner Prof. Dr. Dr. Daniel ergab, Gott sei`s gedankt, dass der Patient als bedingt geheilt am anstehenden Tagesprogramm, der Fahrt nach Strassburg, teilnehmen konnte.
    Der stümperhaften Planung zufolge musste nun sogar der Himmel weinen...
    Sollte die Gage für die Fotos nicht termingerecht eingehen, werde ich die Bilder einschwärzen lassen!
    Getreu der bayerischen Aussage: "Nicht Geschimpft ist gelobt genug" beende ich hiermit meine krankheits-bedingten Schriftstellerischen Ergüsse.
    Danke Michi, gerne wieder.